Österreichischer Sommelier kämpft in Lissabon um WM-Titel

von Alexandra Otto 14/10/2026
Nachrichten
Österreichischer Sommelier kämpft in Lissabon um WM-Titel

Sechs Weine in zwölf Minuten erkennen, anschließend 77 Fachfragen in 90 Minuten beantworten: Für Stefan Klettner hat die Sommelier-Weltmeisterschaft 2026 in Lissabon mit einer anspruchsvollen Prüfung begonnen. Der 30-jährige Salzburger ist Österreichs einziger Vertreter im Wettbewerb und tritt gegen 65 Kandidatinnen und Kandidaten aus aller Welt an.

Vom 11. bis 17. Oktober 2026 versammelt der „ASI Contest Best Sommelier of the World 2026“ die internationale Spitze der Branche in der portugiesischen Hauptstadt - und in Kürze entscheidet sich, wer den Einzug ins Halbfinale geschafft hat. Bereits der erste Wettbewerbstag stellte die Teilnehmer vor eine enorme Herausforderung, denn zunächst mussten sechs Weine innerhalb von zwölf Minuten identifiziert werden. Danach folgte ein schriftlicher Test mit 77 Fragen, für den 90 Minuten zur Verfügung standen. Das abgefragte Wissen reichte von Weinbereitung, Weingesetzen und Geografie bis zu historischen Entwicklungen der internationalen Weinwelt. Auch Bildaufgaben und Zuordnungen zu Weinkultur und Weingeschichte waren Teil der Prüfung. Aus jedem Mitgliedsland des internationalen Sommelierverbands ASI stammte mindestens eine Frage.

Der Wettbewerb prüft damit weit mehr als einen feinen Gaumen. Gefragt sind umfassendes Fachwissen, präzise Kommunikation, professionelles Service, Konzentration und die Fähigkeit, auch unter großem Zeitdruck souverän zu bleiben. Stefan Klettner bereitete sich gezielt in den drei klassischen Disziplinen Verkostung, Theorie und praktisches Service vor, den Serviceteil konnte er in seinem beruflichen Umfeld im Burg Vital Resort in Oberlech trainieren. Für die theoretische Vorbereitung erhielt er Unterstützung von der Sommelier Union Austria und seinem Kollegen Andreas Jechsmayr. „Ob beispielsweise eine Weindefinition abgefragt wird als reine Beschreibung oder als Erklärung für Gäste oder wiederum für Mitarbeiter, macht einen riesengroßen Unterschied“, erklärt Klettner. Deshalb spielte er beim Verkostungstraining unterschiedliche Wettbewerbssituationen durch. Ein zusätzliches Intensivtraining absolvierte er an der Tourismusschule Modul in Wien. Schülerinnen und Schüler dienten dabei als Publikum und sorgten für möglichst realistische Bedingungen.

Den Titel „Bester Sommelier Österreichs 2026“ sicherte sich Stefan Klettner im vergangenen April. Trotz seines jungen Alters verfügt der gebürtige Salzburger aus St. Veit im Pongau bereits über umfangreiche internationale Erfahrung. Zu seinen beruflichen Stationen zählt das Restaurant Alchemist in Kopenhagen, das ihn nach eigener Aussage besonders geprägt hat. Heute arbeitet Klettner als Head-Sommelier im Burg Vital Resort in Oberlech am Arlberg. Dort verantwortet er eine außergewöhnliche Weinkarte mit rund 40.000 Flaschen und 5.000 Positionen. Aber auch Wettbewerbserfahrung bringt er mit: Seine bisherigen Teilnahmen führten ihn unter anderem nach Kasachstan und China. In Lissabon wird er von Annemarie Foidl, Präsidentin der Sommelier Union Austria, begleitet und unterstützt.

Die Sommelier-Weltmeisterschaft wird alle drei Jahre von der Association de la Sommellerie Internationale ausgetragen. 2026 treten 66 Kandidatinnen und Kandidaten an. Indien, Kenia, der Libanon und Moldau sind erstmals vertreten. Das Halbfinale findet am 15. Oktober im Sheraton Lisboa statt und das große Finale steigt am 16. Oktober im historischen Coliseu dos Recreios. Direkt im Anschluss wird der neue beste Sommelier der Welt bekannt gegeben - bis dahin heißt es für Stefan Klettner und seine österreichischen Unterstützer: konzentriert bleiben, Daumen drücken und auf den Einzug in die nächste Runde hoffen.