Josef Umathum öffnet 15 Jahrgänge einer österreichischen Rotwein-Ikone

von Alexandra Otto 09/06/2026
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Josef Umathum öffnet 15 Jahrgänge einer österreichischen Rotwein-Ikone

Es gibt Verkostungen, die mehr sind als eine Reise durch Jahrgänge, denn sie erzählen von Entscheidungen, Wendepunkten, Herkunft und einem Winzer, der einer Rebsorte neues Gewicht gegeben hat. So eine Verkostung hat im Stadtbräu Josef in Linz stattgefunden, wo Josef „Pepi“ Umathum 15 Jahrgänge seines Hallebühl - und damit ein Stück österreichische Weingeschichte - geöffnet hat.

Hallebühl ist untrennbar mit dem Weinschaffen von Josef Umathum verbunden. Seit 1985 ist er Winzer in Frauenkirchen im Weinbaugebiet Neusiedlersee im Burgenland und bereits 1986 brachte er den ersten Jahrgang Hallebühl auf den Markt, vinifiziert aus der Rebsorte Zweigelt. Damit zeigte Umathum früh, dass Zweigelt mehr sein kann als ein unkomplizierter roter Alltagswein: nämlich ein ernsthafter, langlebiger und eigenständiger Rotwein mit Herkunft. Und die Verkostung von 15 Jahrgängen machte deutlich, wie konsequent dieser Weg über vier Jahrzehnte verfolgt wurde. Die ersten Zweigelt-Reben in der Lage Hallebühl wurden 1964 gepflanzt, die jüngsten stammen aus dem Jahr 1994. Als Umathum begann, mit Zweigelt ambitioniert zu arbeiten, hatte die Sorte noch ein anderes Image. „Damals gab es Zweigelt – das war ein roter Wein, aber kein Rotwein. Denn die Erträge waren zu hoch“, erinnerte sich der Winzer.

Umathum wollte genau das ändern - der Schlüssel dazu lag in der Arbeit im Weingarten und im Keller. „Wir waren einer der ersten Betriebe mit Grün-Lese. Wir sind im Juli durch die Weingärten gegangen, haben Trauben runtergeschnitten, um den Ertrag zu reduzieren, um Konzentration und Reife zu erzielen und wir haben den Zweigelt im Barrique ausgebaut.“ Heute umfasst die Lage Hallebühl rund 50 Hektar, davon sind 17 Hektar mit Reben bepflanzt und werden vollständig vom Weingut Umathum bewirtschaftet. Damit ist Hallebühl heute eine Monopollage Umathums und als Ried definiert. Für den Signature-Wein Ried Hallebühl verwendet Umathum ausschließlich Trauben von den ältesten Reben auf einer Fläche von 2,5 Hektar. Auch die Mengen zeigen den Qualitätsanspruch. Der Hektarertrag liegt im Durchschnitt unter 50 Hektoliter, im Keller folgt eine weitere Selektion und nur die besten Fässer werden für den Hallebühl verwendet. So kommen pro Jahr lediglich rund 5.000 bis 7.000 Flaschen auf den Markt.

Der Name Hallebühl reicht weit zurück. Er geht auf die Keltenzeit zurück und bedeutet sinngemäß Holler Hügel oder Heiliger Hügel. Die Kelten errichteten an Kreuzungspunkten von Erdstrahlen Hügel, die als Landmarken dienten - auf diesen Hügeln wuchs wilder Holunder, der bei den Kelten als heilig galt. Heute ist der Holler Hügel mit 128 Metern über der Adria die höchste Erhebung östlich des Neusiedler Sees. Die südwestlich davon gelegene Flur erhielt später den Namen Ried Hallebühl. Aber auch der Boden spielt für den Charakter des Weins eine zentrale Rolle. „Die Reben stehen auf kargem Kieselsteinboden, sogenanntem Donauschotter, der mit bräunlich-rotem, eisenhaltigem Kieselgestein durchzogen und reich an Magnesium ist“, erklärte Umathum. Bei geringer Humusauflage und mäßiger Wasserversorgung müssen die Reben tief wurzeln. Das fördert Konzentration, Struktur und jene mineralische Spannung, die den Hallebühl prägt. „Der Zweigelt fühlt sich auf diesem eisenhältigen durchlässigen Boden besonders wohl.“

Die ersten Jahrgänge von 1986 bis 1989 wurden als reinsortiger Zweigelt abgefüllt. In der Verkostung zeigten die beiden frühesten Weine sehr unterschiedliche Gesichter. Der 1986er wirkte bereits weit gereift und am Ende seines Weinlebens angelangt, während der 1987er noch erstaunlich gute Figur machte. Der Vergleich zeigte eindrucksvoll, dass kühlere Jahrgänge wie 1987 bei Langlebigkeit, Frische und Statur klare Vorteile haben können. Ab 1990 veränderte sich der Hallebühl. Kleine Anteile von Cabernet Sauvignon und Blaufränkisch kamen dazu. „Aber nur ein kleiner Anteil. Legistisch war es weiterhin Zweigelt“, so Umathum. Der Zweigelt-Anteil lag weiterhin bei mindestens 85 Prozent, womit der Wein gesetzlich als reinsortig galt. Cabernet und Blaufränkisch machten gemeinsam etwa zehn bis 15 Prozent aus und sollten dem Wein zusätzliche Spannung verleihen. Diese Cuvée-Phase prägte den Hallebühl bis zum Jahrgang 2004.

In der Vertikale war diese Entwicklung deutlich spürbar - die Weine wirkten etwas frischer, die Frucht gewann an Attraktivität, die Struktur bekam zusätzliche Kontur. Besonders die Jahrgänge 2000 und 2002 stachen unter den älteren Hallebühls hervor und vor allem der 2000er präsentierte sich praktisch ohne Altersnoten, dafür mit Eleganz, Schliff und bemerkenswerter Lebendigkeit. Mit dem Jahrgang 2005 kam der nächste große Schritt: Hallebühl wurde wieder zu 100 Prozent Zweigelt. Für Umathum war das eine Grundsatzentscheidung. Über die Jahre reifte in ihm die Überzeugung, dass es möglich sein müsse, „aus der so wichtigen österreichischen Rebsorte Zweigelt einen 100 Prozent reinsortigen outstanding Wein zu keltern.“ Um die Struktur von Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon zu ersetzen, setzte Umathum je nach Jahrgang zwischen zehn und 30 Prozent Traubenstiele bei der Gärung ein. Sie sollten dem Wein mehr Kernigkeit, Tannin und Spannung verleihen. Gleichzeitig rückte er die Frucht wieder stärker in den Mittelpunkt. Der Einsatz von Holz wurde zurückgenommen, der Anteil neuer Fässer reduziert. In den jüngeren Hallebühl-Jahrgängen kommt überhaupt kein neues Holz mehr zum Einsatz, der Ausbau erfolgt ausschließlich in mehrfach gebrauchten Fässern. Gerade bei den jüngeren Jahrgängen wurde diese neue Fruchtfrische in der Verkostung deutlich spürbar. Unter den mitteljungen Jahrgängen der 2010er ragte 2012 heraus. Noch stärker beeindruckte jedoch der Jahrgang 2021: ein präziser, kraftvoller, fein ziselierter Hallebühl mit großem Langzeitpotenzial. Für Umathum selbst nimmt dieser Wein eine besondere Stellung ein. „Das war der beste Jahrgang, den ich je vinifizieren durfte.“

Die Verkostung in Linz zeigte eindrucksvoll, warum Hallebühl heute als eine der österreichischen Rotweinikonen gilt, denn dieser Wein ist nicht nur ein Zweigelt von einer besonderen Lage, sondern ein Dokument von Haltung, Erfahrung und konsequenter Weiterentwicklung. Josef Umathum hat mit Hallebühl über Jahrzehnte bewiesen, dass Zweigelt Tiefe, Herkunft, Eleganz und Größe zeigen kann, wenn man ihm die nötige Aufmerksamkeit schenkt. 15 Jahrgänge erzählten an diesem Abend nicht nur von Wein. Sie erzählten von Mut, Geduld und der Überzeugung, dass auch eine oft unterschätzte Rebsorte zur Ikone werden kann.