Gumpoldskirchen, idyllisch in den Ausläufern des Wienerwalds eingebettet, ist einer der prominentesten Weinorte Österreichs, denn die Thermenregion Wienerwald bietet für den Weinbau optimale Voraussetzungen und hält für seine Gäste landschaftlich wie kulinarisch ein breites Angebot bereit.
"Für den Wienerwald Tourismus spielen die Rieden, die Weinbaubetriebe und der Wein, allen voran der Königswein, zentrale Rollen, denn der Gumpoldskirchner Königswein ist ein Gemeinschaftsprodukt mehrerer WinzerInnen aus Gumpoldskirchen, bei dessen Herstellung nur beste Trauben von besonderen Lagen verwendet werden. Ein Qualitätsprodukt, das perfekt die zentralen Werte der Tourismusdestination, wie Qualität, Regionalität und Authentizität, verkörpert und somit sehr hilfreich für die touristische Vermarktung der Region ist“, berichtet Wienerwald Tourismus-Geschäftsführer Michael Wollinger, der bei der Weintaufe im vergangenen Advent die Patenschaft für den Gumpoldskirchner Weinjahrgang 2024 übernommen hat.
Die Idee, edle Gumpoldskirchner Tropfen als Königswein auszuloben, geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Als sich die Babenberger und Habsburger im Gumpoldskirchner Melkerhof niederließen, war dies durch den Weinbau begründet, was auch urkundlich belegt ist. Bereits vor Jahrhunderten waren die besten Lagen Lieferanten des Weines der Könige – da lag es nahe, den Ortswein auch Königswein zu nennen. 1957 erstellte der Markenschutzverband erstmals Richtlinien dazu: Der Königswein ist eine Cuvée aus Zierfandler und Rotgipfler – zum Einsatz gelangen nur beste Trauben aus besten Lagen. Kelterte in der Geschichte jeder Winzer und jede Winzerin seinen bzw. ihren eigenen Königswein, so wurde er in Folge – um ihm ein einheitliches Gesicht zu verleihen – ein Gemeinschaftsprodukt, wofür sich zehn Weinbaubetriebe zusammenschlossen.
Anfang März 2025 trafen die Königsweinwinzer einander im Weingut Gebeshuber, wo der 2024er zu diesem Zeitpunkt auf der Feinhefe reifte. „Er steht damit einen Monat vor der Füllung, um sein letztes Stadium, die Flaschenreife, zu erreichen“, erklärt Winzer Johannes Gebeshuber, der den Königswein vinifiziert. Ausgebaut wird er mit trockenem und lieblichem Charakter, wofür sich die Konzentration von Säure- und Restzuckergehalt verantwortlich zeichnet. „Der Trockene 2024er wird um die 12,5 bis 13 Vol. Prozent Alkohol bei 3 bis 4 Gramm Restsüße aufweisen“, so der Weinmacher. Sein liebliches Pendant ist eine Hommage an die 1950er- bis 1980er-Jahre, wobei für den Weincharakter auch der Lesezeitpunkt mitverantwortlich zeichnet: „Bei früher Lese weist er eine Zitrusnote auf, bei späterer eine tropische Exotik bis hin zu Banane und Maracuja“, so der Fachmann.
„Hinsichtlich der Qualitätsmerkmale und Stilistik haben die Königsweinwinzer ein breites Commitment. Stimmig ist auch das Ortsmarketing“, weiß Christian Schabl, der auf den jüngsten Coup der filmischen Dokumentation verweist. Ein Jahr lang begleitete der Gumpoldskirchner Videoproduzent Benjamin Freudl nämlich die Gumpoldskirchner Königsweinwinzer und hielt deren Arbeit mit der Kamera fest. Die beeindruckenden Bilder, für die auch eine Drohne zum Einsatz kam, sind auf der Facebook-Seite der Königsweinwinzer zu sehen.
Konrad Reisacher, Weinbau- und Kellermeister betont, „dass jeder Jahrgang andere geschmackliche Nuancen aufweist, jedoch immer von höchster Qualität ist“. Reisacher zeichnet für die Verwaltung der Ortsweinvinothek verantwortlich, in der größtenteils Königsweine lagern. „Der Älteste ist aus dem Jahr 1957 – und er ist nach wie vor genieß- und trinkbar“, betont Reisacher. Sein „Liebling“ ist der Königswein 1964 – „ein großer Jahrgang“, schwärmt er. Königswein wird in Gumpoldskirchen bei allen öffentlichen Veranstaltungen gereicht und ist auch Geschenkwein der Marktgemeinde. So wie beim Tourismusempfang 2025 in Laxenburg, wo er mit einer Special Edition Aushängeschild sein wird. „Gefüllt werden jährlich insgesamt zwischen 4.000 und 20.000 Flaschen – es ist also sehr unterschiedlich“, so Reisacher.