Gemischte Gefühle zum Ernteauftakt

von Alexandra Otto 26/08/2026
Nachrichten
Gemischte Gefühle zum Ernteauftakt

Im Burgenland beginnt die Weinlese heuer rund zwei Wochen früher als im langjährigen Durchschnitt. Zeitgleich mit den ersten Lesearbeiten fand in Donnerskirchen die traditionelle Weinlese-Pressekonferenz von Weinbauverband und Wein Burgenland statt - und die Bilanz zum Ernteauftakt 2026 fällt gemischt aus: Die Witterung fordert die Winzerinnen und Winzer, die Trauben zeigen sich vielerorts jedoch gesund, frisch und vielversprechend.

Herbert Oschep, Geschäftsführer der Weintourismus Burgenland GmbH und Obmann von Wein Burgenland, fand bei der Pressekonferenz klare Worte zur aktuellen Lage am Weinmarkt. „Die Zeit des Weinverteilens ist vorbei – wir sind in der schwierigen Zeit des Weinverkaufs angekommen“, erklärte Oschep. Weltweit sei zu viel Wein am Markt, gleichzeitig bringe das heurige Winzerjahr durch die anhaltende Trockenheit zusätzliche Herausforderungen. Gerade deshalb müsse das Burgenland seine Stärken konsequent ausspielen. Über Quantität werde sich die Region nicht behaupten können - entscheidend sei vielmehr ein klarer Fokus auf Qualität, Herkunft und Sichtbarkeit. Seitens des Landestourismus wolle man möglichst viele Synergien nutzen und den Winzerinnen und Winzern etwa durch Veranstaltungen eine starke Bühne bieten.

Auch aus Sicht der Winzerschaft zeigt sich der Jahrgang 2026 anspruchsvoll, aber nicht ohne Chancen. Der Donnerskirchner Winzer Leo Sommer verwies auf deutliche Unterschiede je nach Standort: Erste Reifeanalysen würden zeigen, wie unterschiedlich die einzelnen Rebsorten auf Hitze und Trockenheit reagieren. Abgesehen von Junganlagen und Weingärten auf seichtgründigen Böden präsentieren sich viele Trauben jedoch mit überraschend hoher Säure und schöner Frische. Das lasse auf einen guten Jahrgang hoffen. Sommer betonte zugleich, dass die Vorbereitung der Weingärten immer wichtiger werde. Wasserspeichernde Böden, Begrünung und Humusaufbau seien zentrale Faktoren, um besser mit Witterungsextremen umgehen zu können. Die kleinteilige Struktur des burgenländischen Weinbaus sei dabei ein Vorteil: Die Vielfalt der Lagen reduziere das Risiko großflächiger Ausfälle.

Aufgrund der hohen Temperaturen drängt sich in vielen Betrieben eine Lese in den kühleren Morgenstunden auf. Insgesamt erwartet Sommer einen Jahrgang, der in seiner Ausprägung Ähnlichkeiten mit 2024 zeigen könnte, betriebswirtschaftlich sieht er die Branche zugleich professioneller denn je. Der Weinbau habe im Gegensatz zu vielen anderen landwirtschaftlichen Bereichen die Möglichkeit, selbst für höhere Wertschöpfung zu sorgen. Burgenlands Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld hob besonders die Widerstandskraft der Rebe hervor. Während viele Pflanzen unter der Trockenheit leiden, zeige der Rebstock einmal mehr seine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit. Die jüngsten Niederschläge von rund 20 bis 30 Millimetern hätten die Situation zusätzlich verbessert. Bei der Erntemenge rechnet Liegenfeld mit einer Größenordnung ähnlich dem kleinen Jahrgang 2024 und damit mit rund einem Drittel weniger als 2025. Aber auch am Weinmarkt bleibt die Situation angespannt. In unterschiedlichen Segmenten gibt es Herausforderungen, denn teilweise entscheidet heute bereits die Weinfarbe über Absatzchancen. Dennoch warnte Liegenfeld davor, Rotwein vorschnell zu vernachlässigen: Wein ist immer wieder von Trends geprägt, Winzerinnen und Winzer müssen jedoch langfristig denken.

Der Ernteauftakt 2026 steht damit im Zeichen gegensätzlicher Entwicklungen: Trockenheit, Hitze und ein schwieriger Markt fordern die Branche, gleichzeitig zeigen gesunde Trauben, vitale Säure und eine engagierte Winzerschaft, dass der burgenländische Wein auch in herausfordernden Jahren viel Potenzial besitzt. Das Resümee der Pressekonferenz fällt daher vorsichtig zuversichtlich aus. Mit gesundem Traubenmaterial, professioneller Arbeit in den Weingärten und einem klaren Qualitätsanspruch blickt das Burgenland auf die Weinlese 2026 - der entscheidende Schlüssel bleibt, was die Region seit Jahren auszeichnet: Herkunft, Handwerk und Weinqualität mit unverwechselbarem Profil.